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Bitte macht die AfD nicht mächtiger, als sie ist!

Warum AfD-Bashing jetzt alles andere als hilfreich ist.

 

Fast genau so erschreckend wie das heutige Wahlergebnis war für mich das Verhalten der Spitzenkandidaten in der „Berliner Runde“. Nahezu alle Parteivertreter stolperten in die AfD-Falle. Keine Spur von Souveränität und Gelassenheit. So endete fast jedes Thema, das es verdient gehabt hätte, sachlich diskutiert zu werden, in Streitereien über die AfD. Ein beträchtliches Pensum der Sendezeit drehte sich um die neue Partei im Bundestag. Erneut schaffte es die AfD, alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Ja, die AfD hat 13 % der Stimmen bekommen. Das ist zum Kotzen. Ein besserer Ausdruck fällt mir dazu heute Abend leider nicht ein. Aber: Die AfD hat auch nur 13 %. Das heißt: 87 % denken anders. Deshalb sollte man einen Fehler vermeiden: Die AfD mächtiger machen, als sie eigentlich ist.

 

Sechs Tipps für vier Jahre AfD

 

1.) Bitte nicht zu sehr aufregen!

Natürlich darf man rassistische und völkische Äußerungen nicht unkommentiert stehen lassen. Ich selbst habe aber herzlich wenig Lust darauf, mich die nächsten vier Jahre über jeden Abend um 20:00 Uhr über unsinnige AfD-Äußerungen zu ärgern. Nicht jeder unpassende Kommentar der AfD muss gleich zur Topmeldung werden. Das würde der AfD nämlich genau die Aufmerksamkeit geben, die sie sucht.

 

2.) Das Wesentliche nicht vergessen!

 

Unser Land steht vor großen und wichtigen Aufgaben. Gerade deshalb wäre es jedoch fatal, nun vor lauter AfD-Pöbeleien die Themen zu übersehen, die wirklich wichtig sind. Vermutlich wird der politische Alltag mit der AfD mühevoll und zäh. Lässt sich das Parlament jetzt jedoch von der AfD ausbremsen, ist das nur Wasser auf die Mühlen der Verdrossenen und Verbitterten. Sie fühlen sich bestärkt, wenn politisch nichts mehr vorwärts geht. Genau das würde die AfD letztlich noch stärker machen.

 

3.) Gelassen und niveauvoll bleiben!

 

Das Niveau der AfD bewegte sich bisher nur selten oberhalb der Gürtellinie. Fatal wäre es jedoch, sich auf diese Rhetorik einzulassen. Auf AfD-Angriffe patzig zurückzuschießen, dürfte auf Dauer lediglich das Niveau nach unten ziehen. Ruhig, höflich und gelassen zu bleiben, ist wohl die beste Antwort auf Aggressionen und Pöbelei.

 

4.) Auf Inhalte pochen!

 

Nach wie vor liefert die AfD erschreckend wenige Inhalte. Klare Konzepte und Ideen fehlen. Genau das ist die Achillesferse der AfD. Statt sich über plumpe Kommentare aufzuregen oder mühevoll in der Vergangenheit zu stochern, sollte man von der AfD Konzepte fordern. Ein permanentes Festnageln auf konkrete Vorschläge wird zeigen, dass hinter viel lautem Gepolter nicht mehr zu finden ist als heiße Luft.

 

5.) Auf Angriffe verzichten!

 

Die AfD beherrscht die Opferrolle. Unverstanden von den Medien stellt sie sich gerne in die Schmollecke. Wer angegriffen wird, rottet sich noch enger zusammen. Ein öffentliches AfD-Bashing dürfte diese Tendenz nur weiter verstärken und damit auch gemäßigte AfD-ler auf Dauer in radikalere Positionen treiben.

 

6.) Eine bürgernahe und überzeugende Politik

 

Das wichtigste Rezept im Engagement gegen die AfD ist meiner Meinung nach gute Politik. Wer aus Protest die AfD gewählt hat, muss angesprochen und abgeholt werden. Das bedeutet, eine größere Nähe zu denen zu zeigen, die sich abgehängt fühlen. Was wiederum bedeutet, die Haltung der Unfehlbarkeit abzulegen und ehrlich zu bisherigen Fehlern zu stehen. Das beinhaltet aber auch, eine transparente Politik zu machen, die wenig Angriffsfläche bietet.

 

Nicht jammern, aktiv werden!

 

Ja, man kann und muss sich über die AfD ärgern. Ich selbst werde mich jedoch nicht die nächsten vier Jahre lang über die AfD aufregen. Dazu sind mir 13 % Gott sei Dank zu wenig. Damit diese Prozentzahl nicht steigt und der Spuk hoffentlich schon in vier Jahren wieder ein Ende findet, habe ich mich dazu entschieden, politisch aktiver zu werden. Deshalb schreibe ich auch diesen Blog. Mitmischen, mitmachen und einbringen. Interesse zeigen und Demokratie leben. Das ist wohl das beste Rezept gegen dumpfe Pöbelei und Politikverdrossenheit. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Darius (Dienstag, 06 Februar 2018 12:56)

    "Dumpfe Pöbelei" erkenne ich vor allem in dümmlichen Hetzbeiträgen wie diesem hier.
    Ein gut gemeinter Ratschlag: Üben Sie Demokratie! Die haben Sie nämlich noch lange nicht verstanden... ;)

  • #2

    Der Textbecker (Dienstag, 06 Februar 2018 14:38)

    @Darius: "Dümmliche Hetzbeiträge" klingt natürlich gleich viel besser als "Dumpfe Pöbelei". Vielleicht sollten wir gemeinsam Demokratie-Nachhilfe nehmen. Das könnte spannend werden ;-)